Abseits, ins kalte Rot der Ampel getaucht, kauern groteske Gestalten, Ungeheuer aus Metall, alte Maschinen, die Köpfe aufgerissen, schreckliche Kreaturen. Einige zappeln noch, und mich schaudert als ich vorbei fahre. Voll Grauen bemerke ich, wie einige von ihnen auf die Fahrbahn staken und hinter mir einher marschieren. Ihre Leiber erinnern an Fabelwesen, Chimären eines postindustriellen Zeitalters, überwuchert von Parasiten und Teile von sich in Fetzen hinterherschleifend. Der Zahn der Zeit ist offenbart, dies ist eine Prozession der Wiedergänger, die Reanimation vergammelter Geräte, alt und abgeschafft. Sie bewegen sich in seltsamem Rhythmus, und ständig verändert sich ihr Gang, wird Bein zu Arm und Kopf zu Torso, Schwanz zu Maul. Wie Würmer sich bewegen, so. Wie Erdreich sich bewegte, könnte es sich erheben. Und all dies in jenem steten, grotesken Rhythmus mit leisem Knirschen, Jammern verbogenen Metalls, klackerndem Stakkato loser Räder und Spangen, mit dem keuchenden Dröhnen von rohem Metall, das sich über den kratzigen Asphalt schleifen muss. Niemand pumpt mehr diese Räder auf, niemand poliert, keiner schweißt, was hier marschiert ward abgeschrieben schon vor langer Zeit.
Und ich kann den Blick nicht abwenden von dieser traurigen Parade, und so fahre ich langsam vor ihnen her, betrachtend, wie sich hinter mir die Reste heben und senken, wie ein Organ, das im Sterben zuckt. Und an jeder Ampel halte ich, aus Angst, die Polizei möge dort im Verborgenen liegen, auf Beute lauernd nach einem lahmen Tag. Und jedes Mal sind sie beinahe heran, umweht mich der Geruch öligen Eisens und längst verbotener Chemikalien, ausgelaufen aus aufgeplatztem Plastiklymph. Und je näher ich sie lasse, desto mehr erscheint mir jenes Ächzen und Krächzen wie das Schnaufen einer Bestie, die, groß und alt, die letzte Beute hetzt.
Eine eigenartige Flucht ist dies, in strengem Tempo, ein Tanz nach Regeln, die nicht bewacht, doch voll der Unruhe wohl eingehalten werden, noch und noch.
Dass der Treibstoff mir zu Ende ging, bemerke ich erst viel zu spät. Zunächst hatte ich es für Schicksal gehalten, für eine schlimme, unüberwindliche Verschwörung dieser verstorbenen Apparate hinter meinem Rücken und dem Auto in dem ich saß. Der Wagen erlahmte und ich zweifelte nicht an höherer Gewalt, dem Sinnen eines bösen, unerklärlichen Geistes, der sich der Fortgeworfenen annahm. Und so saß ich erst eine Weile stumm da, ein Ende, ein Schauspiel von epischem Ausmaß erwartend, als mir der Gedanke an den leeren Tank die Träumereien vertrieb und mich zur nüchternen Wirklichkeit zurück geleitete.
Sie sind schon heran, ich kann gerade noch heraus steigen und zurückweichen, unfähig, den Blick von ihnen zu lassen. Erst fürchte ich, welch kurioser Impuls tief verwurzelten Besitzdenkens, sie würden mein Fahrzeug verschlingen, zu einem der ihren machen, doch die geschundene Horde kriecht an ihm vorbei als sei es eine Klippe im Strom. Irgendetwas totes klappert, und ich kann mich letztlich losreißen von dem Anblick, wende mich um und laufe. Die Gegend ist mir unbekannt, es ist hügelig und ich war, gebannt von dem Schauspiel in meinem Rücken, stets gerade der Straße gefolgt, anstatt an den richtigen Stellen abzubiegen und dem Heimweg zu folgen.
So komme ich eine Anhöhe hinauf und verharre mitten im Lauf. Es bewegt sich vor mir, der ganze Hügel gerät in Aufruhr. Das ist nicht still, nicht fest, worauf ich stehe, das ist nicht Erdreich, über das ich ging. Das ist die Müllhalde am Ende der Straße, wo die Müllwagen hinfahren und die Bagger stehen. Und der ganze Schrott, der richtet sich auf, die Hügelkuppe vor der bleichen Nacht türmt sich empor, wie eine große Woge, die an Land sich werfen will, um in letztem, verzweifeltem Aufschrei zu vergeh'n. Höher und höher rauscht das Zeug empor, und für einen Moment schwindelt mir in der Illusion, all dies stünde still und ich würde fallen. Und während sich es über mir biegt wie ein Wellenkamm, wankt ein dürres Biest auf mich zu, einen erloschenen Fernseher im Arm wiegend, als wär's sein verstorbenes Kind.