Ich sah eine schwarze Pyramide weit vor mir, es schien als wachse sie aus dem hellen Horizont empor wie ein Pfeil der in den leeren Himmel hinaufweist.
Als die Sonne weiter aufgestiegen war entdeckte ich, dass die Pyramide gar nicht schwarz war, sondern dass ich lediglich die im Schatten liegende Seite beobachtet hatte, geblendet vom Horizont. Aber dort, auf etwa der halben Strecke zwischen mir und der Pyramide, stand ein schwarzer Stein, er ließ kein Licht hindurch scheinen, und er glänzte auch nicht, er war wie ein tiefschwarzes Rechteck.
Mich ergriff Furcht als ich den Stein bemerkte, und ich wollte mich abwenden und fortlaufen, doch da bemerkte ich, wie das Licht mein Gehirn verändert hatte als ich noch die schwarze Pyramide beobachtet und den Himmel abgesucht hatte. Ich konnte mich nicht drehen, mein Körper ignorierte jede Bestrebung mich abzuwenden oder in eine andere Richtung als vor oder zurück zu laufen. Ich tat einige Schritte rückwärts, jedoch änderte dies meine Furcht vor dem Stein nicht, denn ich schien ihm nicht zu entkommen. Hinter mir hörte ich leises Scharren, und heiseres Flüstern. Wann immer ich lauschte verstummte es, aber wenn ich mich bewegte, da hörte ich es im Schatten meiner Schritte. Etwas lauerte dort.
Ich ging auf die Pyramide zu, horchte. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass ich mich von den Geräuschen hinter mir entfernte, obwohl ich dies nicht exakt prüfen konnte.
An der Pyramide vermeinte ich nun etwas zu erkennen, eine Art Relief im Stein. Ich lief auf die Pyramide zu, wollte herausfinden, was es dort zu sehen gab.
Als ich ein gutes Stück heran gekommen war, meinte ich, dass dort im steinernen Antlitz der Pyramide ein riesiges Auge, oder eine Hand, mich anstarrte.
Mich fröstelte, fühlte ich doch ganz deutlich wie mich das Steinwerk beobachtete. Hinter mir war nun Stille, aber irgendwo weit in meinem Rücken wartete das unheimliche Flüstern.
Dann sah ich, dass, obschon ich nun viel näher an der Pyramide war, der schwarze Stein noch immer die halbe Strecke zwischen ihr und mir bemaß. Ich hatte an ihm keine Bewegung ausmachen können, und doch hatte er nun einen anderen Platz vor mir.
Ich ging weiter und beobachtete den Stein. Er bewegte sich nicht im geringsten, ich verglich seine Position mit irgendwelchen Dünen oder Unregelmäßigkeiten im Sand. Aber immer wenn ich zur Pyramide aufsah, musste ich eingestehen, dass er weiter auf halber Entfernung zwischen uns blieb, er der Pyramide also stets näher rücken musste.
Dies steigerte meine Furcht vor dem Stein, außerdem ärgerte es mich, dass er die Stelle der Pyramidenwand verdeckte, an der ich einen Eingang vermutete. Ich wollte dem Stein einen Schlag dafür verpassen, also lief ich weiter auf die Pyramide zu. Wenn ich sie erreichte, und der Stein stets zwischen uns bliebe, dann würde ich ihn ebenfalls erreichen.
Als ich nach einer Weile endlich nahe heran gekommen war, da hatte der Stein die Pyramidenwand erreicht, und ich musste erkennen, dass eben dieser schwarze Stein selbst der Eingang zu dem Steinwerk war. Ich schritt auf ihn zu und hielt kurz davor inne. Mein Mut hatte mich verlassen, obwohl der Stein nun kaum mehr größer war als ich. Noch immer ärgerte mich, dass er mich hergelockt hatte, und vorsichtig streckte ich die Hand aus und betastete ihn. Er war angenehm kühl, und obwohl er so dunkel war, dass er nur wie ein schwarzes Rechteck erschien, so konnte ich ihn dennoch berühren. Ich legte meinen Kopf daran und horchte angestrengt.
Hinter dem Stein konnte ich ein leises Scharren ausmachen, und dann auf einmal das altvertraute, unheimliche Flüstern.