Wiederhall

Es war eine seltsame Empfindung, jetzt, wo ich im nachhinein darüber nachdenke. Zwar ist es wahrscheinlich erst einige Minuten oder sogar einige Sekunden nur her, aber die Zeit fließt jetzt anders für mich, gleitet in einem gemächlichen Tempo dahin.

Ich fiel, doch das merkte ich erst, als ich bereits einen Moment am Boden lag, denn noch zu dem Zeitpunkt war ich so überrascht, dass ich vor meinem inneren Auge meinen Körper weitergehen und vor mir zusammenknicken sah. So lag ich also dort, hob ein wenig mein Gesicht, da der Boden nass vom Regen war, und sah auf. Ich war im Dunkeln unterwegs gewesen und bis auf den milchigen Schimmer der Laternen war es finster, hin und wieder das Funkeln des Regens im Schein der Lampen. Dann erst holte mich der Schall ein, genauer gesagt, ich erinnerte mich zu diesem Zeitpunkt erst daran, ein Schussgeräusch gehört zu haben, und als mich der Schreck erreichte, da bemerkte ich auch zum ersten Mal, dass mich das Projektil getroffen hatte, in den Rücken, wo ich auf einmal Schmerz fand.

Es verschlug mir den Atem, ich war vollkommen überrumpelt, hatte keine Feinde, hielt mich in einer sicheren Gegend auf, fand keinen Grund für meinen Zustand, und das verwirrte mich, bis mich der Gedanke an einen Raubüberfall aufschreckte. Ich horchte, wartete auf Schritte die näherkommen, und Hände die mich durchsuchen würden, aber dann fielen mir Schritte ein die ich währenddessen hatte fortgehen hören.

Zwar verunsicherte mich dies noch mehr, aber gleichzeitig wurde mir bewusst, dass etwas mit meiner Wahrnehmung nicht mehr stimmte. Es war nicht, dass ich Dinge anders erfuhr, vielmehr stimmte das Tempo nicht, der normale Rhythmus war gestört. Es dauerte scheinbar, bis das Wahrgenommene meine Aufmerksamkeit erreichte, fast, als würden meine Sinne sich nur noch dann melden, wenn ich danach verlangte.

Dann erinnerte ich mich des Schusses und des Schmerzes, und natürlich der Schritte, die so gleichgültig sich entfernt hatten. Ich lag da, auf der nassen Straße, und war fast tot. Der Schmerz nahm plötzlich zu, und ich bemerkte dass ich noch immer die Luft anhielt. Ich atmete und begann zu husten. Blut. Panik ergriff mich und ich krümmte mich zusammen. Die Zeit überschlug sich, hatte mich eingeholt und zurückgelassen, alles raste auf einmal um mich herum, der Schmerz tobte und meine Glieder schlugen umher, ich rang nach Luft.

Dann fiel ich erschöpft zurück, und mit einem Mal war wieder Ruhe, alles stoppte und verstummte. Ein wohliges Gefühl durchströmte mich als ich fühlte wie der Schmerz erstarb, und es war als schwebte ich.

Nun schaue ich in den Himmel hinauf, es ist, als wären jetzt meine Sinne geschärft, wie befreit von unnützer Sorge, da mein Körper nicht mehr richtig lebt. Eben noch war alles dunkel, und ich hatte mich beim Gehen an den Lichterinseln der Laternen orientiert, aber jetzt wo ich hinaufsehe sind die Sterne viel heller als das Licht hier unten am Boden. Ich kann hinaufsehen, bis in den Flammenkranz hinein der sie umgibt und strahlen lässt, kann bis auf die lodernden Ozeane blicken, die Zwiezone, wo das Feuer flüssig wird. Mein Herz schlägt wie Donner, ein ohrenbetäubendes Grollen, so unendlich langsam, dass es mir kaum wie ein Rhythmus mehr vorkommt. Meine Gedanken reichen hinauf bis zu den Sternen, und in der Schwärze dazwischen sehe ich die feinen Splitter, und den Staub den sie bescheinen.

Und dann höre ich die Stimmen der Sterne, und ich erinnere mich wie ein Auto näher kommt.